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„Mr. Trial“ übergibt sein Lebenswerk

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Werner Tippke Übergibt Lebenswerk

Bericht aus der Münsterland Zeitung vom 18.01.2020:

Die Entwicklung des Trial-Clubs hat Gründer Werner Tippke maßgeblich mitbestimmt. Nun reicht er den Staffelstab weiter. Als Ehrenvorsitzender.

Selten kommt es noch vor, dass eine Person so eng mit einem Verein und einer Sportart in Verbindung gebracht wird, wie es bei Werner Tippke der Fall ist. Am Mittwochabend endete
die Jahrzehnte währende Ära beim Trial-Club Stadtlohn. Zumindest offiziell. Aus gesundheitlichen Gründen stellte sich der 75-Jährige nicht mehr zur Wiederwahl als Vorsitzender. Dieses Amt hatte der Vereinsgründer über 20 Jahre ausgeübt. Ein „Macher“ im wortwörtlichen Sinne, der natürlich weiter „eng dabei bleibt“.

Der Verein, dessen Geschicke Tippke maßgeblich initiiert und geleitet hat, würdigte dieses außergewöhnliche Engagement mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. „Jetzt müssen
auch mal andere ran – und ich bin mir sicher, dass wird klappen“, zeigte sich Tippke sichtlich bewegt, aber auch gefasst. Zwei Jahre hatte er die Übergabe des Staffelstabes
schließlich vorbereiten können. Wie umfassend der Einsatz für den Verein und die Sportart war, das belegt, dass die Aufgaben – zumindest vorläufig – auf mehrere Schultern verteilt
werden. Ein Zeichen von Respekt.

Der Ursprung seines Interesses für die Sportart lag allerdings nicht im Fahrrad-Trial, sondern im Motorrad-Trial. „Wir haben zunächst an unseren Motorrädern gebastelt und uns im
Gelände bewegt. Zunächst war ich dann viel im Ruhrgebiet unterwegs, 1968 bin ich dann nach Stadtlohn gekommen“, so Tippke, der sportlich selbst große Erfolge feierte. Er erinnert
sich noch an eine Ehrung als NRW-Meister im Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen – gemeinsam mit seinem Bruder. „Da hatte Schalke an dem Tag gegen Duisburg 1:0
gewonnen. Da waren wir am Ende nur noch eine Randerscheinung“, so Tippke.

Trial war nun einmal eine exotische Sportart, Werner Tippke kämpfte aber stets für die Interessen dieses spektakulären Sports. Er kämpfte auch, als es um das Finden einer sportlichen Heimat in Stadtlohn ging. Eine Interessengemeinschaft in der Sportart Motorradtrial hatte sich nämlich in den 80er-Jahren formiert.

Der Start erfolgte auf einem Gelände in Almsick, 1982 fand die Gruppe eines in Holtwick, 1984 bekam man dann ein erstklassiges Gelände in den Barler Sandgruben zugeteilt. Der
bestehende Kontakt zu befreundeten holländischen Vereinen wurde ausgebaut. „In Holland hatte der Sport einen anderen Stellenwert“, berichtet Tippke. 1987 war auch in Barle Schluss
– sehr kurzfristig. So mussten man kurzerhand in die Niederlande ausweichen.

Dass man über die Kontakte in Holland das Fahrrad-Trial erst kennenlernen sollte, das sollte sich bald auszahlen. Denn: Motorrad-Trial konnte in Deutschland nur noch unter sehr hohen
Auflagen durchgeführt werden. Um den Verein zu erhalten, nutzte man in den Folgejahren zwei Gelände in den Niederlanden. „Zweimal die Woche sind wir mit Sack und Pack über
die Grenze gereist, der Aufwand war allerdings sehr hoch“, so Tippke. Und: „In Holland stand mir die Show zu sehr im Mittelpunkt, für mich zählte mehr der Sport.“ Man löste sich
1999 vom Motorrad-Trial und widmete sich nun ganz dem Fahrrad-Trial. Der Trial-Club Stadtlohn wurde gegründet.

Seit 1995 hatte man ein erstes Gelände am Losberg zugewiesen bekommen – „mit 1200 Quadratmetern war dieses aber zu klein – vor allem, um Meisterschaften auszutragen“,
erinnert sich Tippke. Der 75-Jährige blieb hartnäckig – und auch der Zufall spielte dem Enthusiasten in die Karten.

Da der SuS Stadtlohn am Losberg erweitern wollte, musste das Trial-Gelände geräumt werden. Man konnte in die direkte Nachbarschaft zum heutigen Standort umziehen und
diesen unter Fahrrad-Trial-technischen Gesichtspunkten gestalten. „In jeder Hinsicht sicher einzigartig in Deutschland, was uns unsere auswärtigen Gäste immer wieder bestätigen.“
Neben seinem Einsatz gerade für die sportliche Entwicklung wurde fortan die Gestaltung des Geländes sein Steckenpferd. Die sogenannten Sektionen, also Prüfungsabschnitte, wurden
nach Urlaubszielen benannt, die Tippke mit seiner Frau Elli ansteuerte. „Das ist mein zweites großes Hobby.“ Die Reisen habe er losgelöst vom Trial angetreten – natürlich habe er sich in
Spanien auch mal Trial-Kurse angeschaut, schmunzelt er.

Die Inspirationen nahm er mit in die Heimat. Erfahrungen machte er auch auf Radtouren, zum Beispiel zauf der Insel Korfu, als er Spenden für die Aktion Familie in Not sammelte.
So gewann er immer wieder neue Kraft, die er in die Verwirklichung seines Lebenswerkes am Losberg einsetzte. „Ich glaube, es gibt auf dem gesamten Gelände kaum einen Stein, den
du nicht mindestens einmal in den Händen gehalten hast“, brachte es Schriftführerin Elke Oing bei der Jahreshauptversammlung auf den Punkt. Werner Tippke habe nahezu seine
gesamte Freizeit auf dem Gelände verbracht.

Große Veranstaltungen wie Nacht-Trials wurden organisiert, besonders wichtig war es ihm, den Kontakt zur Jugend aufrechtzuerhalten. Titelkämpfe wie Norddeutsche Meisterschaften
und NRW-Meisterschaften wurden gemeistert. Parallel sattelte er im gesetzteren Alter selbst noch erfolgreich aufs Fahrrad um. Parallel galt es, den Verein fortzuentwickeln, den Sport
auch auf Kreis- und Landesebene bekannter zu machen. Ein letzter Meilenstein war 2014 die Fusion des Trial-Clubs mit dem Motorsport-Club Stadtlohn: Der neue Verein trägt fortan den
Namen Trial-Motorsport-Club (TMSC) Stadtlohn.

„Ich hatte eine Idee im Kopf, die ich sehr gut umsetzen konnte. Das Fundament ist stark, der Verein war noch nie so attraktiv – auch dank der vielen Mitstreiter“, so Tippke. Sportlich
seien in Stadtlohn viele Grundsteine für Erfolge gelegt worden. „Wenn man sieht, dass jüngst noch zwei unserer Sportler in China unterwegs waren oder dass Deutsche Meisterschaften
errungen werden, dann macht mich das auch stolz.“

Werner Tippkes Blick schweift am Donnerstagmorgen nach seinem offiziellen Abschied als Vorsitzender über das weitläufige Gelände: „Wenn ich in zwei Jahren hier stehe und alles
sieht noch genauso aus, dann bin ich zufrieden.“ Und schon am Mittwoch hatte er seinen Mitstreitern eines mitgegeben: „Das Herzblut habe ich nicht für mich investiert, sondern für Euch. Vergesst das nicht!“

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